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Gewinner des Design- und Architektur-wettbewerbs des Niedersächsischen Minis-teriums und iF International Forum Design:
„Gastlichkeit gestalten — Designimpulse für den Tourismus in Niedersachsen“

Der Seesteg — Die Architektur

Das ursprüngliche historische Gebäude wurde 1893 erbaut und diente als Winterlagerhalle für den damaligen Seesteg. Im Dezember 2006 wurde der Seestegschuppen von den Brüdern Marc Brune, Architekt und Jens Brune, Hotelier erworben und in einjähriger Bauzeit zu einem eleganten Hotel kernsaniert. Durch seine Authentizität reflektiert das Seesteggebäude von außen die Strenge und den Charakter der Norderneyer Geschichte. Deshalb entschieden sie sich, das Gebäude — welches nicht unter Denkmalschutz stand — dennoch in seiner Struktur zu erhalten.

Der vorgefundene alte Klinker war durch die exponierte Lage direkt am Meer salzdurchtränkt und damit porös. Alte Steine wurden ersetzt durch handgefertigte kohlegebrannte Klinker, die heutzutage nur noch in zwei Manufakturen europaweit hergestellt werden und bekleiden innen und außen das Mauerwerk des Seestegs. Das Lagergebäude wurde neu mit einem Staffelgeschoss versehen, was sich dezent zurücknimmt und mit einer modernen Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Eiche und Bronze einen bewussten Gegensatz zur alten Gebäudesprache setzt. Hierzu gehört auch die rahmenlose Balkonbrüstung. Die vorhandenen Holzbohlen aus dem Seestegschuppen, die ursprünglich den Bodenbelag der Geschossdecken bildeten — auf denen die Strandkörbe zuletzt lagerten — wurden im historischen Gebäudeteil als Wandverkleidung der Flure und Zimmer verarbeitet.

Von See aus gesehen ist das Hotel wie ein langer, horizontaler Streifen. Im Inneren wurde die Länge des alten Gebäudes von 50 Meter als Mittelachse aufgenommen, aus dem Erdgeschoss bis hin zum Obergeschoss mit dem 20 Meter langen Rooftop-Pool. Der unverstellte Zugang im Erdgeschoss zwischen der Lounge und dem Restaurant bis zu den angrenzenden Loft-Suiten bietet besondere Sichtachsen. Der Kaminblock deutet die Begrenzung des Kopfgebäudes an.

Das Interieur ist eine perfekte Symbiose von Sachlichkeit und Eleganz. Kalksandsteinböden und Glaswände werden gegen warmes Holz und sinnliche Stoffe wie Leinen und Seide gesetzt. Es ist ein Wechselspiel wie Ebbe und Flut, rustikale Klinker im Kontrast zu üppiger Seide. Die Holzarbeiten nehmen das Wechselspiel zwischen heller und dunkler Eiche auf. Im gesamten Gebäude wurden Holzbohlen verlegt, die — wie in der Natur vorkommend — unterschiedliche Breiten und Längen bis zu 2,50 Meter aufweisen. Große Panorama-Holzfenster, meist vom Fußboden bis zur Decke, vermitteln das Gefühl, dass man direkt über den Wellen schwebt. Die Bäder liegen innen und bieten dennoch einen direkten Ausblick aufs Meer.

So wurde aus dem archaischen Bauwerk einer vergangenen Epoche ein außergewöhnliches Hotel mit 16 Zimmern, das dem anspruchsvollen Gast von heute Ruhe und Entspannung bietet.